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Sumba gehört zur Inselgruppe der Kleine Sunda-Inseln. Sumba ist mit einer Fläche von etwa 11.000 Quadratkilometern etwa doppelt so groß wie Bali. Mit rund 715.000 Einwohnern (Stand 2017) hat Sumba nur etwa 1/6 der Bevölkerung von Bali. Weniger als 100 Kilometer von der Südküste von Sumbawa und Flores entfernt - und noch in Sichtweite - ist Sumba doch ganz anders:

Statt steilen Vulkanen wie auf vielen anderen Inseln von Indonesien, ist das Gelände eher hügelig, der höchste Berg ist 1225 Meter hoch. Geologisch ist die Sumba ein kontinentales Fragment, das von Afrika oder Australien abgebrochen ist und bis zum Rand der Linie von vulkanischen Inseln von Indonesien schwamm. Sumba besteht im Wesentlichen aus Korallenkalk. Nur an der Südküste gibt es auch vulkanisches Gestein. Sumba hatte bisher keine Bodenschätze. Bei Bohrungen in 2010 ist ausgerechnet im Nationalpark Wanggameti Gold nachgewiesen worden.

Kein üppiges Grün überwuchert die Landschaft. Im Norden und Osten der Insel ist es extrem trocken und die Landschaft gleicht einer Savanne. Wind und Wetter haben auf den Freiflächen teilweise das schroffe Gestein freigelegt. Im zentralen Hochland sind die Hügel mit Alang Gras bedeckt. Nach Süden und Westen hin wird es grüner - aber nur in den Tälern und an den Südhängen der Berge findet man feucht-tropische Vegetation. Auf etwa 7% der Fläche von Sumba gibt es noch ursprüngliche Waldflächen.

Klima

Sumba hat ein semi-arides Klima. Vor allem der Osten der Insel ist durch das heiße nordaustralische Klima geprägt. Es gibt eine Trockenzeit von Mai bis Oktober. Von November bis April kann es regnen. Die Monsun oder Regenzeit dauert rund 3 Monate im Osten und bis zu 5 Monate im Westen. Die Niederschlagsmenge reicht von 800-1000 mm pro Jahr im Nordosten über 1000-1500 mm in der Zentralregion und bis zu 1500-2000 mm im südwestlichen Teil der Insel.

Die durchschnittliche Temperatur während des ganzen Jahres liegt im Osten zwischen 27 Grad und 36 Grad. Im Westen ist es im Schnitt 2-3 Grad kühler. Die Nachttemperaturen sind signifikant geringer als in Bali. In den Monaten von Juli bis September kann manchmal die Nachttemperatur auf 15 Grad sinken. Die heißesten Temperaturen treten vor dem ersten Regen im Oktober oder November auf.

Der Monsun ist in letzter Zeit sehr unterschiedlich ausgefallen. Es gilt als sicher, dass der "El Nino" Effekt hier eine Rolle spielt. Extreme Dürre während aber auch Starkregen nach Beendigung des "El Nino" nimmt zu. Durch die Wassermassen ändern die Flüsse im Süden häufig ihren Verlauf und zerstören Felder und Brücken. Im Nordosten von Sumba mussten in den letzten Jahren einige traditionelle Dörfer und neue Ansiedlungen wegen Wassermangel aufgegeben werden. In dieser Gegend sind die Bewohner von permanenter ausländischer Hilfe abhängig.

Die beste Reisezeit für Naturliebhaber ist von April bis Juli, nach dem Monsun, wenn es nicht mehr regnet aber noch alles schön Grün ist. Im Südwesten der Insel ist auch die Zeit von Oktober bis Mitte Dezember möglich, wenn es durch vereinzelte Regenfälle schon wieder etwas Grün geworden ist. Wer seine Reise sehr langfristig plant, sollte Jahre mit "El Nino" Effekt meiden.

Die Surfsaison ist wie überall in Indonesien von Mai bis September. Zum Baden sind die Wellen von Juli bis September an manchen Stränden an der Südküste zu hoch.

Bedingt durch das Klima ist die Bedeutung von Wasser für die Menschen auf Sumba sehr wichtig. Wenn ihr Reisebroschüren der Regierungsbezirke von Sumba bekommt, relativiert bitte die Beschreibung, wenn es um angeblich große Seen oder mächtige Wasserfälle geht.

Landwirtschaft

Die traditionelle Landwirtschaft
Die Sumbanesen können heute trotz der vergleichsweise geringen Dichte der Bevölkerung nur teilweise von der eigenen Landwirtschaft leben. In den kargen trocknen Regionen des Nordostens und auf den Hochebenen kann praktisch nichts angebaut werden. Hier gibt es nur in den Tälern und an Flussufern kleine Anbauflächen. Die einzigen Nutztiere sind hier Sumba Pferde vor allem indische Brahman Kühe.

Die landwirtschaftlichen Produkte der übrigen Gebiete von Sumba sind, alphabetisch sortiert: Areca(Betelnüsse), Cashewnüsse, Cassava (Maniok, Singkong, Ubi Kayu), Erdnüsse, Gewürznelken, Haselnüsse, Jarak (Jatropha-Ölfrucht), Kakao, Kapuk, Kokosnüsse, Mais, Reis, Robusta (Tiefland) Kaffee, Shorgum (Hirse), Soja, Süßkartoffeln, Vanille, und Zuckerrohr. An Vieh gibt es neben den Sumba Pferden und Wasserbüffeln vor allem, Brahmankühe, Ziegen, Schweine sowie jede Menge Geflügel.

Die Anbaumethoden sind traditionell. Viel wird mit menschlicher Kraft gemacht oder mit dem Einsatz von Sumba Pferden und Wasserbüffeln. Die Regionalverwaltung ist deshalb bestrebt rituelle Tieropfer, speziell Wasserbüffel-Opfer, zu reduzieren, da diese Tiere dringend für das Pflügen benötigt werden. 1987 wurde eine Verordnung erlassen, wonach es verboten ist mehr als 5 Tiere zu opfern. In West Sumba dürfen seit kurzem nur noch maximal 3 Tiere je Fest geopfert werden – Ausnahmen sind an der Tagesordnung …

An allen Küsten von Sumba wird mehr oder weniger intensiv Fischfang betrieben. Fischer sind heute vor allem Zuwanderer aus Sumbawa, Ujung Padang (Makassar) Lombok und Savu. Fischer die von den Nachbarinseln nur zum Fischen in die Gewässer von Sumba kommen, sind oft nicht gern gesehen. Es wird behauptet, dass diese mit Dynamit und Zyanid fischen. Die beste Zeit zum Fischen ist in der Monsun Zeit im Frühjahr und im Juli/August.

In allen ruhigen Flachwassergebieten in Ost Sumba, wird Seegras (Rumput Laut) gezüchtet. Dazu werden Seegras Sprosse in Taue eingebunden. Die Taue werden dann unter Wasser verankert oder sie dümpeln aufgehängt an Plastikflaschen auf der Meeresoberfläche. Mehrmals jährlich wird geerntet. Aus dem ausgereiften Seegras wird AgaAga hergestellt oder es wird als Viehfutter oder natürliches Düngemittel verwendet. Dieser Erwerbszweig hat in letzter Zeit drastisch zugenommen und führt leider zu einer negativen ökologischen Veränderung. Das Wasser wird trübe und die Fische verlieren ihr Lebensumfeld. Der Fischfang wird in diesen Gebieten deshalb oft nur noch als Nebenerwerb betrieben oder ganz eingestellt. Der Ertrag aus dem Verkauf von Seegras ist zudem auch noch höher als von landwirtschaftlichem Anbau. Deshalb werden Landwirtschaftliche Flächen zu Gunsten der Seegras Monokulturen aufgegeben. Menschen wandern an die Küste - zunächst ohne jedwede Infrastruktur und Schulen. Der "El Nino" in 2015 stoppte diese Entwicklung vorübergehend, der Ernteertrag von Seegras ging zurück.

Aus Sand der Lagunen wird, meist mit Hilfe von Treibholz, Salz gekocht.

Ausländische Entwicklungshilfe-Organisationen bemühen sich die Sumbanesen von neuen Anbaumethoden, Futter- und Nutzpflanzen zu überzeugen. Solange diese Versuche jedoch keinen Profit für die indonesische Verwaltungshierarchie abwerfen, werden sie nicht vom Staat unterstützt. Flächendeckende komplexe Bewässerungsprojekte scheitern darüber hinaus oft an den Eigentumsstrukturen und lokalem Egoismus.

Die industrielle Landwirtschaft
In den Bezirken Wewewa Selatan und Kodi Bangedo im Westen der Insel wird auf riesigen Flächen Cassava angebaut. Die Pflanzen kommen mit der natürlichen Regenmenge aus.

Im Osten der Insel wird gerade mit dem Anbau von Zuckerrohr mittels künstlicher Bewässerung begonnen. Auf Regierungsebene ist geplant Indonesien von Zuckerimporten unabhängig zu machen. Ausländischen Investoren wurden entsprechende Landrechte erteilt. Es gibt 6 ausgewiesene Flächen in Ost Sumba. Wer mit dem Flugzeug Waingapu anfliegt, kann deutlich 2 dieser Flächen sehen: Napu im Norden und Wanga im Süden. Für die Plantagen werden Landschaften zu ebenen Flächen umgestaltet, Hügel abgetragen und Täler verfüllt. Es werden riesige Speicherbecken und Dämme angelegt und mit Plastikfolien abgedichtet. Das Wasser kommt aus den Flüssen oder wird aus Tiefbrunnen gepumpt. Solange keine weitere Landwirtschaft betrieben wird ist das vertretbar. Wasserrechte hat man mit den ausländischen Investoren nicht festgelegt. So gräbt man sich vielerorts gegenseitig das Wasser ab. Die Wassermenge reicht eben nicht für den herkömmlichen Anbau und die neuen Projekte. Es gibt bereits Proteste der Bauern in betroffenen Gebieten.

Wo die Wassermenge für Zuckerrohr nicht mehr ausreicht soll Jatropha, eine Ölfrucht für die Gewinnung von Bio-Kraftstoffen angebaut werden. Als Gebiete sind ebenfalls Ost Sumba und westlich von Mamboro geplant.

Bevölkerung

Entsprechend den landwirtschaftlichen Ertragsmöglichkeiten ist die westliche Seite der Insel stärker besiedelt als der Osten. In Sumba leben meist Nachkommen von Malaien und Melanesiern. Zuwanderungen gab es aus Timor und Savu in den südöstlichen Gebieten; an den nordwestlichen Küsten siedelten sich Muslime aus Sumbawa, Ujung Padang (Makassar), Lombok und sogar aus Arabien (Palästina) an. Auch die Kolonialherren, vor allem die Portugiesen, hinterließen ihre Spuren. Den Sumbanesen vom Aussehen her, gibt es also nicht.

Die größte und einflussreichste Gruppe der Nicht-Sumbanesen stellen die Savuaner aus Savu dar. Sie bemühen sich um eine größere Selbständigkeit und einen eigenen Regierungsbezirk mit der Hauptstadt Melolo in Ost Sumba.

Durch die Mission von Portugal, den Niederlanden und Deutschland sind heute etwa 64% der Bevölkerung Christen (3/4 Protestanten, 1/4 Katholiken), 6% sind Moslems und der ungezählte Rest von 30% praktiziert überwiegend die traditionelle Marapu-Religion (Die Zahlenangaben in den Statistiken sind jedoch völlig unterschiedlich). Die Missionierung durch deutsche Redemptoristen und die niederländischen Kirchen hält noch heute an. Die jeweils anderen Völker und Religionen werden von den Menschen in Sumba verbal oft abfällig beurteilt …

Sicherlich die Hälfte der Bevölkerung sind Kinder. Die Rate der neu geboren in Sumba steigt noch immer. Die meisten Familien haben von 8 bis 10 Kinder. "Viele Kinder, viel Segen" - dieses Motto scheint wahr zu sein, weil die Kinder ihre Eltern bei der Feldarbeit und dem heranbringen von Wasser unterstützen. Später kann man dann für die Töchter auch noch ein Brautgeld bekommen: Wasserbüffel, Pferde, Kühe, ...

Auch für Sumba gibt es Transmigration (Transmigrasi) und Area Development Programme. Es entstehen überall neue Siedlungen. Teils werden solche Siedlungen als Straßendörfer samt der dazugehörigen Straße in bisher unbewohnten Gebieten, teils jedoch auch in oder um bestehende Dörfer herum angelegt. Die Siedler kommen aus Sumatra, Java, Sumbawa und Timor. Wegen der zum Teil anderen Religion und Lebensweise der Zuwanderer sind Anpassungsprobleme vorprogrammiert. Die Siedlungen im trocknen Norden und Nordosten von Sumba machen einen überwiegend ärmlichen und hoffnungslosen Eindruck. Viele Ansiedlungen sind dort auch fast komplett wieder aufgegeben worden (Lenang, Waiurang). Im Süden der Insel ist eine wirtschaftliche und soziale Integration erfolgreicher. Von den Gehöften in Neuansiedlungen werden nach einem Jahrzehnt immerhin bis zu 90% bewirtschaftet  (gemäß eigener Zählung in den Dörfern Kuruwaki und Lailiang).

Australien betreibt seit 2014 eine restriktive Flüchtlingspolitik. Boots-Flüchtlinge auf dem Seeweg nach Australien werden durch die australische Marine abgefangen und zurückgeschickt. Die Flüchtlinge kommen aus dem gesamten asiatischen und arabischen Raum. Sumba ist für viele Migranten Zwischenstation. Finanziert durch Australien plant die Regierung von NTT zurzeit in Sumba im Gebiet von Gaura ein Internierungs- oder Konzentrationslager. Das Grundstück soll schon gekauft worden sein. Durch den Regierungswechsel in Australien wird dieses Projekt vielleicht nicht weiter verfolgt.

Politik

Sumba gliedert sich in 4 Verwaltungsbezirke. Neben Ost Sumba ist das der ehemalige West Sumba Bezirk der 2006 in 3 Bezirke: Zentral Sumba, West Sumba und Süd-West Sumba aufgeteilt wurde. In Zentral Sumba und Süd-West Sumba entstehen zurzeit monströse Verwaltungszentren auf dem platten Land, die an Bauwerke des Sozialismus erinnern. In Ost Sumba, Zentral Sumba und West Sumba werden neue Häfen gebaut, die aus technischer Sicht nie in Betrieb gehen werden oder ökonomisch völlig unsinnig sind. Alles das ist aber offenbar wichtig für die eigene Identität.

Die Programme der 4 Verwaltungsbezirke in Sumba ähneln sich. Als politische Ziele sind unter anderem vertreten:

Gesellschaftliche Entwicklung zu einem modernen Gemeinwesen
Sicherung der Grundbedürfnisse
Erzeugung und Vermarktung von Produkten zur Stärkung der Volkswirtschaft
Verbesserung des Gesundheits-Systems für alle Schichten der Gesellschaft
Verbesserung des öffentlichen Bildungs- und Erziehungssystems
Verminderung der Sterblichkeitsrate von Schwangeren und Kindern
Verbesserung der Ernährungssituation
Wirtschaftsförderung
Verbesserung der Infrastruktur
Entwicklung des Tourismus Sektors als Muster für andere Bereiche
Partnerschaften zwischen religiösen und gesellschaftlichen Einrichtungen
Förderung der Zusammenarbeit mit NGO's (Non Government Organisation)
Fördern einer für alle akzeptablen vertikalen Transparenz der Verwaltung
Förderung der Rechtsstaatlichkeit, strikte Strafverfolgung
Erhalten natürlicher Ressourcen zum größtmöglichen Nutzen der Menschen

Und schließlich: Eine Verwaltung mit mehr Kompetenz, Transparenz und weniger Korruption. Sumbanesen sagen oft, dass die Korruption in Sumba die höchste in ganz Indonesien ist.

Bei vielen Entscheidungen ist Bali Vorbild, vor allem in ökonomischer Sicht. Ein eigenes Profil oder Rückgrat der lokalen Politik fehlt. Motor des Handelns scheint allein das Geld zu sein.

Ein Beispiel für den drohenden Ausverkauf der Insel ist der unregulierte oder sogar geförderte Verkauf von Grund und Boden an nicht Sumbanesen. Es bleibt zu hoffen, dass die eigene Kultur der Insel nicht auf der Stecke bleibt.

Sprache

Obwohl Sumba verhältnismäßig klein ist, hat sich innerhalb der Insel Bevölkerung, aufgrund der lange Zeit bestehenden Isolation zahlreicher Gebiete und der Subsistenzwirtschaft, eine Vielzahl von kulturellen und sprachlichen Unterschieden herausgebildet. Der Staat Indonesien bezeichnete in den 50er Jahren lokale Sprachen als feudalistische Sprachen und die Bahasa Indonesia als die Sprache der neuen Demokratie. Das hat wenig bewirkt, zumindest auf dem Lande sprechen die Sumbanesen untereinander ihre eigene Sprache. Ja sogar das Gegenteil ist der Fall: im lokalen Radio von NTT werden immer mehr Songs in regionalen Sprachen gesendet.

Neben der National Sprache Bahasa Indonesia gibt es in Sumba 6 eigene regionale Sprachen. Man bezeichnet sie jeweils als Bahasa Daerah oder Bahasa Sumba. In West Sumba sind sie völlig unterschiedlich. In Ost Sumba gibt es eine Sprache mit vielen lokalen Ausprägungen und Dialekten. Für keine der regionalen Sprachen gibt es ein Lexikon, alles wird mündlich überliefert. Einige Sprachen werden von weniger als 50000 Menschen gesprochen, wie etwa in Wanokaka und Lamboya.

In allen Sprachen identisch sind die Worte für Wasser = wai oder wee, Mann = umbu und Frau = rambu.

Hinzu kommen die Sprachen der Einwanderer (siehe oben). In Küstenregionen spricht man so untereinander die eigene Sprache, mit dem benachbarten Dorf die jeweilige Bahasa Daerah und mit der Verwaltung Bahasa Indonesia. Die jeweilige Mehrheit im Ort bestimmt was üblicher Weise gesprochen wird. Viele Kinder lernen erst in der Schule Bahasa Indonesia … und können dann meist besser indonesisch als ihre Eltern.

Immer wieder gibt es massive Auseinandersetzungen zwischen den Dörfern, vor allem im Westen der Insel. Diese können allein schon durch die unterschiedlichen Sprachen erklärt werden: man versteht sich nicht

Mit Englisch kommt man bestenfalls in den Städten klar. Ohne Bahasa Indonesia kommt man im Landesinneren nur schlecht zurecht. Selbst mit Bahasa Indonesia mag es manchmal im Inland Probleme geben. Wenn jedoch jemand Englisch beherrscht, wird er dich bestimmt ansprechen.

Weiteres siehe unter Orientierung in Sumba.

Gesundheit

In den meisten Regionen von Sumba, außerhalb der 3 wichtigsten Städte, leben die Menschen ohne Zugang zu sauberem Wasser. Oft wird Wasser aus Flüssen abgepumpt, mit Tankwagen transportiert und dann verkauft. Brunnen sind rar und wegen des kalkigen Bodens oft schwer zu bauen. Toiletten gibt es in sehr vielen Dörfern überhaupt nicht.

Die Einstellung der Menschen zu Gesundheitsthemen lässt sich an folgendem Beispiel darstellen: Von der UN gespendete Moskitonetze werden oft als Fischernetze sowie als Schutz von Pflanzen vor Vögeln oder Federvieh genutzt.

Auf dem Lande sind viele staatliche Gesundheits-Zentren (PUSKESMAS) nicht, oder nur notdürftig besetzt. Teilweise gibt es nur sporadisch mobile Versorgungen (PUSKESMAS-Keliling). Mangelernährung ist weit verbreitet. Die Säuglingssterblichkeit ist eine der höchsten in der Welt. Auch Medikamente sind schwer zu bekommen.

Die Ressourcen von Sumba sind begrenzt. Wo es zu Ernteausfällen kommt haben die ärmsten Familien nicht ausreichend zu essen. Hilfslieferungen zur Abdeckung von Ernteausfällen durch die Zentralregierung sind in den letzten Jahren wegen ökonomischer Krisen ausgefallen. Allerdings erhalten viele Dörfer Reis zur minimalen permanenten Abdeckung der Grundbedürfnisse. Die Lieferungen kommen jedoch oft unregelmäßig und die Verteilung scheint auch nicht immer gerecht zu sein.

Die Statistik zählt (in 2005) in Sumba auf 100.000 Menschen etwa 38 Ärzte, 84 Krankenschwestern, 133 Hebammen. Neben der herkömmlichen Medizin gibt es eine sehr große Anzahl Schamanen. Pro 100.000 Menschen gibt es 17 Gesundheits-Zentren. Die Patienten kommen dorthin laut Statistik zu 30% wegen Infektionen, 21% Malaria, 13% Verletzungen, 10% Hautkrankheiten, alle übrigen 26%.

Die Folgen des Hungers sind überall sichtbar. In jedem Dorf gibt es Kinder, die im Alter von einem Jahr ihren Kopf nicht heben können; Kinder, die mit 10 Jahren die Körpergröße 6-Jähriger haben und viel zu viele Kinder mit unterschiedlichen Anzeichen von Fehl- und Unterernährung (Quelle: Sumba Foundation).

Die traditionelle isolierte Lebensweise nach der eine Sippe in einem Dorf wohnt und eine Vermischung mit Menschen aus anderen Dörfern teilweise selten vorkommt führt zu Problemen. Das Thema Inzucht ist bekannt und sichtbar.

Sumbanesen, die In Bali arbeiten bringen leider nicht nur Geld nach Hause sondern oftmals auch HIV. Dieses Thema wird zurzeit auf Plakaten drastisch visualisiert.

Schule

Sumba gehört aufgrund der großen Entfernung zur Hauptstadt und der relativ geringen Bevölkerung und Dichte der Bevölkerung zu den eher vernachlässigten Regionen. In Sumba wird kaum mehr als die Hälfte der Kinder eingeschult. Von denen erreicht dann wiederum nur etwa die Hälfte einen Grundschulabschluss. Denn sobald Kinder zum Einkommen beitragen können, ist das wichtiger als Schule. Auffallend viele und vor allem starke und praktisch veranlagte Kinder müssen im Dorf bleiben und ihren Eltern zu Hause und in den Feldern helfen. Für die Schule fehlt es an Geld. Oftmals dauert der Schulweg mehr als eine Stunde.

In der Sekundär Schule wird viel praktisches Wissen vermittelt, wie etwa technisches, biologisches und medizinisches Knowhow, um auf dem Lande klar zu kommen. Diese Schulen sind jedoch wegen der geringen Bevölkerungsdichte und Nachfrage oft weit entfernt, sodass eine tägliche Rückkehr ins Dorf kaum noch möglich ist.

Eine Ober Schule gibt es nur in den Städten, das Lehrangebot ist gut. Eine solche Schulbildung können sich eigentlich nur diejenigen leisten, die schon Verwandte in der Stadt haben, bei denen die Kinder leben können.

Ohne Schulbildung und ausreichender Kenntnis der indonesischen Sprache haben die Kinder jedoch weniger Chancen auf eine gute Zukunft. Nicht alle Kinder einer Familie können später einmal das Land ihrer Väter erben. Kinder ohne Land und ohne Bildung bleiben dann arbeitslos.

Arbeit

Sumba gehört heute zu den 5 ärmsten der 30 Provinzen von Indonesien. Ein Großteil der Bevölkerung auf Sumba lebt in Subsistenzwirtschaft. Die Menschen sind Abhängig von natürlichen Ressourcen und haben nur wenige Möglichkeiten, Produktionsüberschüsse auf dem Markt zu verkaufen. Zahlen, die messen, wie hoch der Armutsanteil ist, sind insofern wenig aussagefähig sie schwanken zwischen 28% und 85%.

Chancen für die wirtschaftliche Entwicklung außerhalb vom Dorf, sind für die Mehrheit der Bevölkerung aus Mangel an Jobs auf der Insel, nicht gegeben. Wer in Sumba keine Arbeit findet, für den ist Bali die erste Hoffnung etwas zu finden und Malaysia wegen des höheren Lohnniveaus und der fast gleichen Sprache (Bahasa Melayu) das angestrebte Paradies…

Chancen auf einen Job außerhalb von Sumba haben übrigens nicht nur Männer. Zahlenmäßig gibt es einen hohen Anteil Frauen die als Hausmädchen tätig sind, meist in Malaysia. Dass Frauen ihre Männer und Familien finanzieren und wie die Arbeit im Ausland wirklich aussieht, ist ein brisantes Thema (Siehe auch Gesundheit HIV).

In letzter Zeit gab es Fälle, in denen Arbeitsagenturen minderjährige nach Malaysia verkauften. Um das Alter der Kinder zu belegen, werden die Personalausweise der älteren Geschwister oder Verwandter genutzt.

Ökologie

Die relevanten Themen zu Umwelt, habe ich in die einzelnen Abschnitte dieser Website eingearbeitet. Ich bin mir bewusst, dass die nachfolgenden ökologischen Themen von der Relevanz für die Menschen in Sumba und gemessen an deren aktuellen Problemen eher zum Teil nachrangig sind:

Aufgrund seiner besonderen Flora und Fauna ist Sumba vom World Wildlife Fund als Ökoregion Laubwald kategorisiert worden. Sumba weist eine Mischung aus Pflanzen und Tieren asiatischen, australischen und ozeanischen Ursprungs auf. Der Nordteil der Insel war ursprünglich Monsun Laubwald gewesen, während der Südteil, der keine ausgeprägte Trockenzeit hat, immergrüner Regenwald war. Der Wald im Norden ist fast ganz abgeholzt. Der Wald im Süden ist zu einem Teil heute noch erhalten, wie etwa in den Bergregionen Jawila, Tanah Daru und Wanggameti.

Es gibt eine Reihe von Säugetieren, vor allem aber ist Sumba besonders reich an Vogelarten, von denen sieben endemische Arten sind. Eine Reihe von anderen Vögeln wird nur hier und auf einigen benachbarten Inseln gefunden. Zu den endemischen Vogelarten gehören 4 gefährdete Arten: Rotnacken-Frucht-Taube, Sumba Kuckuckskauz, Gelbwangenkakadu und Sumba Hornvogel. Darüber hinaus gibt es die auch anderswo typischen tropischen Vogelarten, besonders in den südlichen Waldgebieten. Im Bergland und an den Küsten tummeln sich Seeadler, Pelikane und Zugvögel aus Australien.

Während der Trockenzeit bilden die Mäander und Ebenen um die nach Süden fließenden Flüsse und die schützenden Wälder im Süden ein großes Wasserreservoir. Wachstum der Bevölkerung und Ausweitung der Anbauflächen sowie dadurch erhöhter Verbrauch von Wasser und Abholzung von Waldgebieten ist eine große Bedrohung für das Leben auf der Insel. Noch immer wird abgeholzt, obwohl die Regierung das verboten hat. Für Neubauten muss gemäß staatlicher Anordnung Holz von anderen Inseln verwendet werden.

Der Boden in Sumba besteht überwiegend aus porösem Kalkstein. Dort, wo die Humusschicht zu dünn ist, versickert das Wasser sofort. Bewässerungsprogramme müssen deshalb so abgestimmt sein, dass der Grundwasserspiegel aufrechterhalten bleibt.

Im Jahr 1998 wurden zum Schutz der Natur 2 Nationalparks ausgewiesen: Laiwangi Wanggameti Nationalpark und Manupeu Tanah Daru Nationalpark. Bitte beachten: In diesen Nationalparks wird man nicht wie in Nordamerika "bepampert". Besonders im Laiwangi Wanggameti National Park gibt es absolut keine Infrastruktur. Neben diesen Parks gibt es zahlreiche Naturschutzgebiete.